A U T O - T E S T • auto-motor-special 09/2022
erstellt am 02.09.2022

So macht stromern Spaß: Mercedes-EQ EQA 250, ein Fahrzeug mit und für die Zukunft
Fotos: Franz Weichinger

Praxistest Mercedes-EQ EQA 250

Leuchtender Stern

Vorab: Negativmeldungen bezüglich nicht vorhandener Ladestationen, immensen Ladezeiten etc., können wir nicht folgen. Wir luden an der Haushaltssteckdose und kamen bestens über die Runden: Über den Jaufenpass und retour, längs durch Tirol mit Abstecher auf die deutsche Autobahn und ebenfalls standesgemäß wieder bis nach Hause.

MIEDERS (at). Ausgangspunkt war jeweils das Tiroler Stubaital. Ein Eldorado, wenn es um das Laden von Elektrofahrzeugen geht. Im Umkreis von 500 Metern fanden wir vor Ort fünf Ladestationen mit jeweils mehreren "Tankstutzen". Wir haben uns die Mühe gemacht, die Stationen abzuklappern: Alle frei, wir hätten die Wahl gehabt.

Aber wir wollten wie schon eingangs erwähnt, autark bleiben und haben unseren EQA per Schuko-Stecker aus der Haushalts-Steckdose geladen. Und kamen damit und den knapp vierhundert Kilometern an Reichweite bestens über die Runden.

Die 400 Kilometer Fahrtstrecke durchschnittlich pro Ladung sind beachtlich, da hier anzuführen ist, dass die Haushaltssteckdose die Batterie nicht zu hundert Prozent lädt. Und dass man  unter Umständen sogar mit einer größerer Reichweite retour kommen kann, wenn man geschickt agiert und alle Möglichkeiten nutzt, die Mercedes bietet, freut nicht nur uns.

Wir machten die Probe aufs Exempel: Abfahrt mit 237/max. 254 Kilometer Reichweite, nach der Stubaital-Tour erfreuten uns in der heimischen Garage ganze 250/max. 266 Kilometer Reichweite

Die Tour über den Jaufenpass nach Meran und retour konnte anstandslos abgewickelt werden, mit genügend Restpower in der Batterie, den Ausflug auf die deutsche Autobahn beendeten wir mit 18 Kilometer Restleistung wieder in Mieders. Dann dauert das Voll-Laden 48 Stunden, aber so in die Reserve fährt man im Alltag ja doch nicht. An offiziellen Schnell-Ladestationen wäre ein Voll-Laden, ebenfalls zu 80 Prozent, allerdings in dreißig Minuten erledigt.

Tolle Sitze (Ledernachbildung ARTICO) mit verstellbarer Schenkelauflage und Rückenstütze machen das Fahren zum mühelosen Ereignis. Die Einstellung einmal vorgenommen - auch für den Beifahrersitz - bringt die Sitze nach dem Startknopdrücken automatisch in Position, per Gewichtserkennung. Stimmt schon: Gewichts- und nicht Gesichtserkennung, wir haben nachgeschlagen.

Das Multifunktions-Lenkrad (Nappa-Leder, unten abgeflacht) ist axial und in der Höhe verstellbar, liegt grad richtig zur Hand, da gibt es nichts zum Motzen. Übersichtliches großes Display plus Head up, das sich wegschalten läßt, tolles Paneel, hochwertige Ausstattung, logische Bedienbarkeit, teilweise Gestensteuerung, z.B. für die Innenraumbeleuchtung. 

Schau mir in die Augen, Kleiner
Übersichtlichkeit ist auch nach hinten bestens gegeben, auf Grund der großen Heckscheibe, der großen Spiegel und der Rundum-Kamera. Und die Aussenspiegel stellen sich beim Rückwärtsfahren selbsttätig auf die Augen des Fahres ein.

Das Panorama-Glas-(Schiebe)-Dach animiert zum Flanieren, Bummeln und gemütlich Reisen. Die Assistenzsysteme sind vollzählig, wir machen hier keine Aufzählung, da 2023/24 diese in Neuwagen großteils eh verpflichtend vorhanden sein müssen. Parkassistent ausgenommen, den gab es zusätzlich.

Kraft ist im Überfluss vorhanden: Der Antritt ist vergleichbar mit dem eines Sportwagens, es vergehen gerade einmal 8,6 Sekunden vom Stand auf 100 km/h. Volles Drehmoment ist auf Abruf da, da scharrt der EQA dann schon hin und wieder einmal mit den Hufen.

Das heißt, es dreht schon einmal ein Vorderrad durch, wenn bei Frau/Mann das Sportlerherz durchschlägt. Der EQA ist ein typischer Fronttriebler, dem leichten Übersteuern kann mittels geschickten Drehmomenteinsatz reaktionsschnell begegnet werden. Der Elektromotor wirkt dabei immer wesentlich stärker als die angegebenen 190 PS es annehmen ließen.

Doppelminus rekuperiert am meisten
Demgemäß macht auch die Sporteinstellung am meisten Spaß, wenngleich das Ausloten eines möglichst langen Fahrbetriebes auch den Ehrgeiz wecken kann. Vorteilhaft: Auf der Tiroler Autobahn freuten wir uns, wenn wir großteils mit 130 statt mit 100 km/h unterwegs sein durften. Wäre durchaus auch ein Argument für den Kauf eine Elektro-KFZs, man kann doch einiges an Zeit einsparen und Spaß macht es zudem.

Frontmotor, Vorderradantrieb, viel Platz für fünf Personen und Gepäck, der Mercedes-EQ EQA 250 setzt sich blendend in Szene, u.a. mit einem cw-Wert von 0,28

Elektroantrieb, eh klar: Ein-Gang-Getriebe. Wir durften uns dennoch einbringen über den Generator, via Schaltwippen und die fünfstufige Energierückgewinnung. Nicht ganz korrekt, Stufe D+ lässt segeln, also bleiben noch vier echte Ladestufen. Doppelminus rekuperiert am meisten, und so haben wir die Fußbremse wenig genutzt.

Unser Vorausschauen wäre zwar löblich aber nicht unbedingt nötig gewesen: D Auto kann es fast genauso gut und filtert sogar etliche Parameter besser heraus, als es ein pater familias, in diesem Fall der Durchschnitts-Autofahrer, je können wird.

IGL: Tempomat auf 130 km/h
Tempomat auf 130 km/h, Spurhalteassistent an und die gewählte Abstandsregelung: Man könnte den EQA auch selbstständig fahren lassen, es wird aber eindringlich „Hände ans Lenkrad“ angemahnt.  Er bleibt auch Schiene (Fahrbahn), hält den Abstand und bremst wenn es sein muss. Wir haben die V-max nicht ganz ausgereizt, aber 162 km/h sind dauerhaft drinnen.

An Fahrmodi gibt es: Idividual, Sport, Comfort und Eco, zusammen mit den Rekuperationsmöglichkeiten dürfen Fahrerin/Fahrer schon mitarbeiten mit dem gelungenen Gesamtpaket EQA 250. Und so soll es unserer bescheidenen Meinung nach auch sein. Wenn sich der Spaß beim Autofahren aufhört, dann haben Bahn und Flugzeug gewonnen.

Der Ausflug in die Stadt verlief ebenfalls kurzweilig, wartet der EQA doch mt einer Kriechfunktion auf, das heisst, er folgt eigenständig bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h dem vorausfahrenden Fahrzeug.

Ein Satz zur Bereifung: Pirellis P Zero sind rennsportlich weich und erlauben sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten. Sie schmelzen allerdings bei diesen hochsommerlichen Temperaturen recht schnell dahin. Rasant gefahren wird die Kilometerleistung nicht allzu hoch ausfallen. Und eines darf noch vorweggenommen werden, bei der Winterbereifung sollte nicht gespart werden, der EQA verdient und braucht - auch in diesem Fall - bestes Material.

Das Zeug zum "Volks"-Wagen
Erfreulich fällt die Zusammenfassung aus: Der EQA ist immer noch ein echtes Auto durch und durch und eigentlich ein Preisbrecher unter den Elektrischen, er könnte so etwas wie ein "Volks"-Wagen werden.

Käuferin/Käufer bekommen zu einem konkurrenzfähigen Preis sehr viel Auto, sehr viel Gegenwert. Beste Qualität ist überall sichtbar, alles massiv und robust ausgeführt, seien es nun der Verriegelungshebel für die Motorhaube, Türbeschläge und -Schlösser, die wir hier nur als Beispiele anführen.

Der Mercedes-EQ EQA fährt sich so spielerisch leicht, alles geht fließend und harmonisch vonstatten. Und es wird nicht alles bis zur "Entmündigung" geregelt, außer in Gefahrensituationen. Er bremst im Extremfall selbsttätig bis zum Stillstand und stellt die Bremse fest. Sicher ist sicher, auch bei einem unwillkürlichen (potenziellen) Verlassen der Fahrspur ist der Assistent zur Stelle.

Der Mercedes-EQ EQA 250 zog bei unseren Testfahrten viele Blicke auf sich, so mancher Neugierige frug uns Löcher in den sprichwörtlichen Bauch. Wir konnten nicht alles ad hoc beantworten, wiesen aber gerne auf den leuchtenden Stern, den der Mercedes-EQ EQA 250 nicht nur auf die Fahrbahn projiziert, hin.
FRANZ WEICHINGER

TECHNISCHE DATEN
Mercedes-EQ EQA 250
Motor: Elektro, permanent erregt
Antrieb: Front
Nennleistung: 80 kW
Max. Leistung: 140 kW/190 PS
Drehmoment: 375 Nm ad hocHöchstgeschwindigkeit: 162 km/h
Beschleunigung: 0 bis 100 km/h in 8,6 sek
Bereifung: Pirelli P Zero 235/45 R20
Testverbrauch auf 100 km: 18,9 kW/h 
Mitwelt: C02-Emissionen: 0 g
Basispreis: EUR 48.590,-*
Testwagen-Preis: EUR 65.336,-*
Inkludiert (Auszug):Fahrassistenz-Paket (netto EUR 795,-)AMG Line (netto EUR 3.430,-)Premium Plus Paket (netto EUR 6.990,-)*inkl. 20% MwStFörderung: bis EUR 5.000,- möglich
(Stand 08/22)
Foto mit Symbolcharakter: Grüner gehts wirklich nimmer, außer man setzt Segel. Für die doppelstöckige Batterie gibt Mercedes eine Garantie von acht Jahren oder einer Laufzeit von 160.000 Kilometern, diese gilt auch bei Kapazitätsverlust