Quertreiber 09/2018 • Seite 44
erstellt am 10.08.2018

Wir hätten die Zukunft selbst in der Hand

Hinter dem Statussymbol bröckelts

Eine kuriose (um nicht dubiose schreiben zu müssen) Presseaussendung des Arbeitskreises der österreichischen Automobilimporteure, sonderbare Wortmeldungen (Wünsche) aus dem Autohandel. Liegen der Hitze wegen die Nerven blank?

Innsbruck(at). WLTP, das neue (Abgas-) Testverfahren, als Schreckgespenst? Flächen anmieten um Altlasten parken zu können, Ruf nach einer "Staatsprämie", usw. Die zu erwartende höhere NOVA-Gabe in Österreich soll mit unserem, also meinem und Deinem/Ihrem Steuergeld abgegolten werden, um den Absatz zu sichern.

Zumindest leichtes Kopfschütteln soll den Leserinnen und Lesern bei solchen Meldungen schon zugestanden werden.

Es ginge auch anders, anstatt ins Uferlose (auf Halde) zu produzieren, einfach einen akzeptablen Weg in die Zukunft zu starten. Aber heutzutage ist ja gar nicht mehr die Qualität (siehe Kfz-Rückrufe) oder die Zukunftssicherheit der Produkte für Verkaufserfolge ausschlaggebend, sondern die PR-Maschinerie und das dazugehörige Netzwerk.

Zum Netzwerk gehören, meiner bescheidenen Meinung nach: Medien und Politik, wir zählen diese beiden, nur teils geschätzten, Gattungen zu den Lobbyisten. Und wer kann diese schon auseinanderdividieren? Geht kaum! Kritischen Geistern fällt da sofort etwas ein/auf, Vorangestelltes scheint auch für interne Verhältnisse, z.B. Geschäftsführung/Anzeigenabteilung versus Redaktionen zu gelten.

Gläubig, wie wir Leserinnen und Leser sind, nehmen wir (fast) alles für bare Münze, was veröffentlicht wird. Auch Unglaubliches, besser geschrieben: auch Unsägliches wird positiv aufbereitet/umgepolt, so dass es bald als Gemeinplätzchen gilt. Der Nachbeter gibt es zur Genüge ...

Nennen wir ein mögliches Aufarbeitungsgebiet bzw. ein konkretes Versäumnis beim Namen, dass WLTP Standard wird, ist lange bekannt, und gar nicht so wenige Auto- bzw. Motorenproduzenten haben sich frühzeitig darauf eingestellt.

Andere nicht. Wollen diese mit aller Gewalt ihre Stärke demonstrieren? Dürfen sie mit dem vorauseilenden Gehorsam von Ämtern, Behörden, Regierungen rechnen?

Eigentlich sollte das bevorstehende Hinbiegemanöver den Kunden/Konsumenten (scheiß-)egal sein. Warum? Landläufige Meinung: Wir können es eh nicht ändern!

Das stimmt so allerdings nicht, wir alle - Frauen und Männer, Konsumenten und Kunden, Jugendliche und Ältere, Ledige und Verheiratete, Arbeiter und Angestellte, Selbst- und Unselbstständige - Otto- und Rudolf-Fahrer(Innen) haben es (noch) selbst in der Hand: Das aufzubringende Geld, das den Markt regulieren und zu einem Umdenken in den Konzernspitzen führen könnte.

Franzesco Bolzano

tiroler.magazine@tirol.com.