auto-motor-special 10/2018 • Seite 30
erstellt am 28.08.2018

FIA Rallye Junior Europameisterschaft: Simon Wagner und Gerald Winter sichern sich Platz zwei in der Regenschlacht von Zlin

Fotos: Fessl/Petru

Reifenschaden verhindert Sieg

Am Tag als der Regen kam ...

Bei der bisher anspruchsvollsten Rallye seiner Karriere fährt der 25-jährige Simon Wagner vor tausenden von begeisterten Zuschauern auf den zweiten Platz in der hart umkämpften Rallye Europameisterschaft für Fahrer unter 27.

Zlin(Česko). Der tschechische Lauf zur FIA Rallye Europameisterschaft in der Region Zlin, im Südosten des Landes, zählt zu den anspruchsvollsten Asphaltläufen in ganz Europa und zeichnet sich nicht nur durch besonders schnelle Wertungsprüfungen und seinen hohen technischen Anspruch aus, sondern ist insbesondere auch für seine vielen verschiedenen, teilweise extrem welligen Straßenbeläge bekannt.

Schon bei trockenen Witterungsbedingungen stellt die Barum Rallye Zlin für die 121 gestarteten Teams daher eine der größten Herausforderungen des Jahres dar. Zu den bekannten Herausforderungen gesellten sich in 2018 darüber hinaus extreme Wetterbedingungen, die die Rallye für den Mauthausener Simon Wagner zur wohl schwierigsten seiner bisherigen Karriere machten.

Während die Test- und Einstellfahrten sowie die Streckenbesichtigung noch bei schönstem Sommerwetter stattfanden, stellte sich pünktlich zum Start der er monsunartiger Regen ein und verwandelte die Wertungskilometer in teils eisglatte, teils schlammige Rutschpisten.

Gut vorbereitet auf das Rennwochenende konnten Simon Wagner und Gerald Winter, nachdem sie bereits die sogenannte Qualifying Stage am Morgen für sich entschieden hatten, auch in der bekannten Super Special Stage Zlin die erste Bestzeit in der Kategorie Junior U 27 setzen und die Führung übernehmen.

„Die Atmosphäre hier in Zlin ist etwas ganz Besonderes.“, sagt Simon Wagner. „Neben den unzähligen begeisterten tschechischen Rallye Fans reisen auch viel Ausländer, darunter zahlreiche Österreicher, jedes Jahr zur Barum Rallye nach Zlin und Veranstalten ein richtiges Rallyespektakel. Meine Sponsoren vor einer so gigantischen Kulisse präsentieren zu können und dabei auch noch schnelle Zeiten zu markieren ist einfach klasse.“, so Wagner weiter.

Auf den acht ausgetragenen Wertungsprüfungen kristallisierte sich in der U27 Wertung schnell ein Zweikampf zwischen Simon Wagner und dem Letten Martins Sesks im Werks-Opel Adam R2 heraus. Abgesehen von Sesks‘ schwedischen Teamkollegen Tom Kristensson, der die beiden Front-Runner am Nachmittag aber schließlich auch ziehen lassen musste, konnte keiner der insgesamt 12 gestarteten Junioren den Speed der beiden Piloten mitgehen.

Dabei verlangten die ständig wechselnden Witterungsbedingungen den Teams alles ab und sorgten für zahlreiche Ausrutscher, Reifenschäden und schließlich auch Ausfälle im Feld.

„Simons Gespür für das Gripp-Niveau bei extremen Bedingungen ist in Anbetracht seines Alters und seines Erfahrungsstandes erstaunlich.“, sagt sein erfahrener Beifahrer Gerald Winter. „Er erkennt schnell in welchen Abschnitten er pushen kann und wo eher Vorsicht angezeigt ist, das hat sich bei den schwierigen Verhältnissen hier deutlich in den Zeiten niedergeschlagen.“

Eine Vorentscheidung im Kampf um die Top Position fiel schließlich auf der sechsten Wertungsprüfung, als Wagner/Winter mit einem Plattfuß auf der Hinterachse knapp 20 Sekunden auf die Bestzeit verloren.

„Wir wissen nicht wie das passiert ist.“, berichtet Wagner. „Wir haben nicht etwa einen Stein oder ähnliches getroffen, sondern das Ventil hat sich gelöst und die Luft konnte einfach entweichen. So etwas habe ich bisher noch nie gesehen. Glücklicherweise war die Sonderprüfung im Vergleich zu den anderen nicht allzu lang, so dass wir mit dem platten Reifen ins Ziel fahren konnten und uns der Wechsel auf der Strecke erspart blieb. Trotzdem ist der Zeitverlust natürlich sehr ärgerlich und hat uns, wenn man das Endergebnis betrachtet, wohl den Sieg gekostet.“

Trotz des Rückschlages blieb das Duo voll motiviert und ließ den Letten Sesks nicht zu weit davon ziehen. Am Ende der ersten Wertungsetappe stand damit ein gefestigter zweiter Platz im Klassement und damit auch in der Tageswertung zu Buche, bevor Wagner/Winter am Sonntagmorgen eine imposante Aufholjagd starteten.

Trotz heftigen Regens und extremen Streckenbedingungen sicherte sich Simon Wagner in der Vormittagssektion zwei von drei möglichen Bestzeiten und eine mit 0,2 Sekunden denkbar knappe zweite Zeit in der U27 Wertung. Auch in der Nachmittagsschleife sicherte sich Wagner zwei weitere Bestzeiten und vereinte im Ergebnis schließlich sechs von insgesamt fünfzehn möglichen Bestzeiten auf seinem Konto. Damit schuf er was die Bestzeitenausbeute angeht nicht nur Gleichstand mit dem Laufsieger, sondern gewann auch die zweite Etappenwertung souverän.

Auf den zweiten Platz im Gesamtklassement der Wertung für Fahrer unter 27 konnten Wagner/Winter nach anfänglicher Enttäuschung schließlich doch noch berechtigt stolz sein:

„Im ersten Moment überwiegt natürlich die Enttäuschung. Unser Ziel ist immer der Sieg, nicht ein zweiter Platz, aber am Ende ist Martins Sesks ein würdiger Gewinner und die Zeitabstände nach hinten sowie die Platzierungen in der Gesamtwertung zeigen, welchen top Speed Simon und er gefahren sind.“, erklärt Beifahrer Gerald Winter.

Simon Wagner ergänzt: „Wir haben im Verlauf der Rallye keine wirklichen Fehler gemacht. Was mit dem Reifen passiert ist, war einfach Pech und wer weiß, wie das Endergebnis ohne den entsprechenden Zeitverlust aussehen würde. In jedem Fall haben wir nicht nur ein tolles Ergebnis eingefahren, sondern auch unheimlich viel gelernt. Dass die Barum Rallye anspruchsvoll ist, wusste ich schon aus dem Vorjahr. Mit den Wetterkapriolen des Wochenendes zählt die diesjährige Ausgabe aber definitiv zu den anspruchsvollsten meiner bisherigen Karriere.“

Für 2019 verheißt ein Blick auf Wagners Historie bei der Barum Rallye derweilen Gutes: Nach einem frühen Ausfall in 2016, einem dritten 2-WD Platz in 2017 und dem zweiten 2-WD Platz in diesem Jahr gibt es für die nächste Ausgabe der Barum Rallye nur ein Ziel …