auto-motor-special 10/2019 • Auto-Test aktuell
erstellt am 23.09.2019

Der bessere Mini Countryman? Einsatzmäßig lässt der SsangYong Tivoli viele seiner Mitbewerber einfach stehen. Wir wünschen uns eine Works-Edition ...

Fotos: Franzesco Bolzano

Fahrbericht SsangYong Tivoli

Passt wie ein Turnschuh

Es gibt Fahrzeuge, da nimmt man hinter dem Lenkrad Platz und fühlt sich sofort wohl. Nach den ersten Metern auf der Straße stellt sich jugendlicher Übermut ein. Ja, wir haben ihn liebgewonnen, den Tivoli von SsangYong.

STUBAITAL (at). Man fühlt sich wie zu Hause, freut sich über den aufgeräumten Innenraum, die netten Rundinstrumente, den Startschlüssel mit Bart, das Sonnenbrillenetui im Dachhimmel und auf die Handbremse.

Beleuchtung für die Spiegel in den Sonnenblenden gibt es sowohl für Fahrer(in)- und Beifahrer, die Ablagemöglichkeiten - z.B. über dem/im Handschuhfach, in der Mittelarmlehne mit Becherhalter - sind liebevoll gestreut. Im Klartext: viel Platz auf kompaktem Raum, es bleiben keine Wünsche offen (Kofferraumvolumen 432 Liter/Rücksitzbank 60:40 umklappbar).

Die hohe Gürtellinie schafft ein cocooning-Gefühl und vermittelt passive Sicherheit. Zur aktiven Sicherheit tragen die schalensitzähnlichen Vordersitze mit bei, die ausserordentlich guten Seitenhalt bieten.

Der ist auch notwendig, der Tivoli legt ein sehr agiles Fahrverhalten auf den Asphalt, erinnert fast an ein Kart, beziehungsweise an das oben erwähnte Vorbild. Leichte Lastwechselreaktionen kann man abwenden, einfach am Gas bleiben. Es gibt ein leichtes Wanken aber kein Versetzen, der Tivoli bleibt eisern, fast magnetisch in der Spur.

Exkursion, die erste: Das Stubaital, touristisch bestens erschlossen, hat viele "gute Gäste". Dazu zählen besonders die Italiener. Wissbegierig sind sie zudem. Einer von ihnen legte sich im Heckbereich unter den Tivoli, schüttelte den Kopf und robbte einen Stellplatz weiter - zu einem hier geparkten Engländer. Signora und der kleine bello* mussten mindestens eine Viertelstunde auf den Herrn Papa warten. Verständlich, dieser wollte gestenreich den Unterschied zum Countryman von Mini herausfiltern.

Der SsangYong Tivoli will gefordert werden: das Fahrwerk ist sportlich straff ausgelegt, die drei Fahrmodi Normal, Power und Winter stehen parat, die Kennung für die Lenkung fixierten wir auf sportlich. Stadtneurotiker könn(t)en sich diesbezüglich (Stadt!) die Comforteinstellung gönnen.

128 sind genügend Pferdestärken, um diese optimal einzusetzen, ist manuelles Schalten des Automatikgetriebes angesagt. Der Motor fühlt sich bei hohen Drehzahlen pudelwohl und macht bei Laune gehalten unwahrscheinlich viel Spaß. Bei 6.000 U/min sind alle Pferde eingespannt, der Motor, ein echter Drehwurm darf ohne Bedenken über 6.200 U/min gedreht werden. Die Vergnügungssteuer (einen höheren Verbrauch) nehmen wir da gerne in Kauf.

Wenn der Motor abregelt und die Warnblinkanlage Kapriolen schlägt, dann hat man allerdings übertrieben. Unserer bescheidenen Meinung nach könnte sich dieses Sicherheitsnetz ein bisschen mehr Zeit lassen - das Herumtollen mit links (Lenkrad) und rechts (Schalthebel) macht einfach einmal viel zu viel Spaß - und so wird mancher Hops mitgenommen und auch recht spät die eine oder andere Kurve angebremst. Die Bremsanlage arbeitet dabei verzögerungsstark mit, ein Fading ist auch nach scharfen Bergabfahrten nie zu orten.

Einzig glänzende Metallelemente im Armaturenbrett stören, es spiegeln sich die Stirnseiten in der Windschutzscheibe. Schnelle Abhilfe: abdecken, dennoch stellt sich die Frage, irgendjemand wird die Autos ja abnehmen (betrifft aber nicht nur SsangYong).

Exkursion, Teil zwei: Zum wissbegierigen Italiener kam in Laufe des Test allerdings noch eine nette Anekdote: An einem späten Nachmittag beobachteten wir hinter dem Heckbereich des Tivolis unseren altehrwürdigen, seit längerem bereits pensionierten Dorfpolizisten Hubert (Nachname der Redaktion und der weiteren Umgebung bestens bekannt).

Knieend: was er suchte und schlussendlich fand, wissen wir nicht ganz genau. Aber es könnte das nicht offensichtlich zur Schau gebaute Endrohr der Auspuffanlage gewesen sein. Wir hätten den Hubert doch auf eine Runde mitnehmen sollen: Nein, nein, der Tivoli ist noch nicht elektrisch unterwegs.

*Bezeichnung hat nichts mit unseren Vierbeinern zu tun

TECHNISCHE DATENSsangYong Tivoli 4WDMotor: Reihen-VierzylinderAntrieb: Allradantrieb, AutomatikHubraum: 1.597 ccmMax. Leistung: 94 kW/128 PS bei 6.000 U/minMax. Drehmoment: 160 Nm bei 4.600 U/minHöchstgeschwindigkeit: 181 km/hBeschleunigung: 0 bis 100 km/h in 9,8 secBereifung: 215/45R 18Testverbrauch auf 100 km: 7,9 l Super bleifreiUmweltschutz: C02-Emission: 176 g/km Preis, je nach Ausstattunglinie: € 24.850 bis € 28.450