Johann Ledermair arbeitet sich zum Traumberuf hoch
Wo ein Wille, da ein Weg ...

Auf eine Vielzahl talentierter Motorsportler kann Österreich stolz sein. Gar nicht so wenige schafften den Sprung in die oberste Liga, sprich in die Formel 1: Rindt, Marko, Quester, Lauda, Ratzenberger, Wurz, Klien, Berger, Wendlinger, Binder. Wobei die drei letzteren eines mit dem wohl herausragendsten Talent der Jetztzeit gemeinsam haben: sie sind Tiroler wie Johann Ledermair (li).
Der gebürtige Österreicher Franz Konrad ist vom rennsportlichen Potential von Johann Ledermair überzeugt und stellt dem Studenten der Wirtschaftswissenschaften in der Saison 2011 einen Fixstartplatz im Porsche Carrera-Cup. Konrad hat ein feines Gespür für förderungswürdige Talente.
So holte beispielsweise der weitgehend unbekannte Brite Nick Tandy für das Konrad-Team sowohl im Porsche Carrera Cup, als auch im Porsche Supercup den Vizemeister-Titel.
Heute ist Tandy eine fixe Größe, aus dessem Schatten Ledermair herausfahren soll. Die ersten beiden Rennen in Hockenheim und Zandvort verliefen für den Rookie vielversprechend, Rang zehn und elf konnte der beste Junior trotz diverser Troubles einfahren.
Richtig ins Rampenlicht fahren will sich Ledermair am 5. Juni in Zeltweg, auf dem neuen Österreich-Ring. "Es ist eines meiner wichtigsten Rennen. Ich werde alles daran setzen, bleibende Eindrücke zu hinterlassen", so der jüngste Teilnehmer des Carrera-Cups.
Die Karriere des erst 19-Jährigen Tirolers begann im Kartsport und führte über die Formel Renault in den Carrera Cup. Ledermair ist längst kein no name mehr. Bereits 2005 wurde er von der Kartsportlegende Achille Parilla zum Werksfahrer Nr. 1 bei Ital Sistem nominiert. Eine Position, die einmal auch ein gewisser Ayrton Senna da Silva inne hatte.
Trotz seiner Jugend hatte Ledermair auch schon Tiefschläge zu verkraften. Nach einem schweren Schiunfall schien die Motorsportkarriere bereits beendet. Innere Verletzungen, Brüche beider Beine, neun Wochen Rollstuhl, negative Ärztestatements. Innerhalb eines halben Jahres kämpfte er sich "mit eisernem Willen" wieder zurück und holte kaum genesen seinen ersten Sieg im Renault-Formelfahrzeug.
Erfreulich verlief der Einstand im Porsche Carrera Cup in Hockenheim: Im Regen auf Slicks (vergleichbar einer Eisbahn", Joh. Ledermair) startend, waren die 450 Pferdestärken des Porsche kaum zu bändigen. Dennoch konnte sich der Tiroler Rookie nach Anfangsproblemen wieder bis auf den zehnten Rang nach vorne fahren.
Zandvoort war ebenfalls eine Reise wert: Nach einem Auf und Ab im Qualifying kämpfte sich Ledermair im Rennen dann auf den elften Platz nach vorne. Der Porsche-Junior sieht das Ergebnis pragmatisch: "Erfreulicher Weise war ich bester Rookie. Jetzt ist es wesentlich, mit dem Auto richtig zusammen zu wachsen. 2011 ist ein Lernjahr für mich".
Eins zu eins abnehmen wollen all jene, die den Ehrgeiz und die Einstellung des (noch) Nachwuchsrennfahrers kennen, diese Aussage jedoch nicht. Sie warten auf das Ledermair-Feuerwerk, das sicher noch heuer gezündet werden wird. Wo ein Wille, da ein Weg ...
Francesco Bolzano