Herr Generaldirektor mit 18
Feinkost-Käfer
In den 50ern verkauft sich der Volkswagen Käfer in immer höheren Stückzahlen. Und doch macht man sich in der Wolfsburger Chefetage Gedanken darüber, wie man jene Kunden bei der Marke halten oder gar gewinnen kann, die nicht nur das Krabbeltier wollen. Nach längerer Entwicklungszeit erblickte der Stufenheck-Volkswagen 1500 auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt 1961 das Licht der Autowelt.
Die Richtung war klar definiert. Erstens: Der Käfer wird weitergebaut. Zweitens: Es muss ein größerer Volkswagen her. Und drittens: Der Motor bleibt ein luftgekühlter Boxer und arbeitet im Heck. Zwei Türen waren genug, und das bildhübsche Cabrio fand den Weg auf die Straße nicht. Es blieb bei den klassisch Punktgeschweissten.

Die Mittelklasselimousine mit klassischem Stufenheck wartete mit keinen Sensationen auf, der Radstand behielt das Käfer-Normmaß, Hebebühnen und Arbeitsgruben der Volkswagen Werkstätten mussten daher nicht umgebaut werden.
Foto: Volkswagen
Um das Mehrgewicht auch angemessen vorwärts zu bringen, bohrten die VW-Ingenieure den Käfer-Motor auf 1500ccm auf. Die herausgekitzelten (nominellen) 45 PS zeigten sich gut im Saft. Der Flachmotor boxte in unanständiger Tiefe im Heck und machte Platz für zwei so genannte Kofferräume – einen vorne, einen hinten. Er zeigte aber in den Werkstätten Zähne, so mancher mißlungene Zündkerzenwechsel musste mit einem Motorausbau bezahlt werden.
Gefahren wurde das Typ 3 genannte Stufenheck gerne von Generaldirektoren oder von anderen Leuten der oberen Etagen. Der Autor gehörte auch dazu. Nicht zu denen da oben, aber zu den glücklichen Besitzern. Der Stufenheck-VW glänzte durch Robustheit, der Motor war vollgasfest, das Fahrverhalten phänomenal, vor allem bei hochwinterlichen Verhältnissen, die damals in Tirol noch vorherrschten. Ja, ordentliche Liegesitze hatte er auch und das Benzin kostete so wenig, dass man sich beim unvergessenen Otto Mathé auch noch einen Liter Obenöl (ein Stamperl davon wurde bei den Tankstopps dem Sprit zugegeben) leisten konnte.
Der VW Stufenheck 1500 erfährt in seiner zwölfjährigen Karriere immer wieder Karosseriemodifikationen: Größere Rückleuchten, senkrechter Frontabschluss, Kastenstoßstangen und modifizierte Heckleuchten. Zwar gut gemeint?, aber dem Zeitgeist nicht angemessen. Besonders herumgepfuscht wird bei den überdimensionalen Blinkern. Im Klartext: der ursprüngliche Typ 3 wird auf miserable Art und Weise bis zu einem Fließheck verschandelt. Eines muss den Herumwerklern aber zu Gute geschrieben werden, Sicherheitsgurte waren bereits an Bord. Im Juli 1973 endet die Produktion des hinterradgetriebenen Typ 3, sein Nachfolger Passat hat Frontantrieb.